HeuART-Arche-Noah

Wenn aus Heu echte Kunst entsteht

Heukünstlerin Anita Höll verleiht dem Naturmaterial neue Formen.

Wenn für viele der Sommer endlich eine willkommene Abwechslung mit Urlaub und Erholung bringt, so bedeutet das für Anita Höll aus Rußbach genau das Gegenteil. Die engagierte Heukünstlerin und Obfrau des Vereins HeuART bastelt dann nämlich schon mit Vereinen, Gruppen oder allein an putzigen Tieren, prächtigen Gestalten und lustigen Formen, die beim alljährlich stattfindenden HeuART-Fest im Lammertal von tausenden Besuchern bewundert werden.

Deshalb gleicht es schon einer kleinen Herausforderung, Anita Höll im Sommer zu besuchen. Meist ist sie grad in einem Stall oder einer Garage, um mit Bastlergruppen Neues entstehen zu lassen: „Ich hab mir die Mühe gemacht und nachgezählt, bei wie vielen Heufiguren ich schon mitgearbeitet habe“, meint sie, während sie einem übergroßen Igelmusikanten für die Trachtenmusikkapelle Rußbach eine passende Hose zuschneidet: „Es sind mit heuer genau 102 Stück – aber die Ideen gehen mir nie aus!“

Gibt es bei dieser Anzahl an Figuren eigentlich eine, die ihr besonders am Herzen liegt? „Ja, das ist sicher zum einen der Adler, den wir für das HeuART-Fest 2003 in Rußbach gemacht haben“, fällt ihr sofort ein, „der hatte sogar einen geschmiedeten Schnabel und Glasaugen, die eigens von einem Tierpräparator angekauft wurden“, schwärmt sie. Allerdings war er auch sehr groß und „mit einer Spannweite von 3,6 Metern mussten wir Teile des Türstocks entfernen, um ihn überhaupt hinauszubringen!“, lacht sie.

Riesengroß war auch die Arche Noah, die sie gemeinsam mit den Abtenauer Schnalzern im Jahr 2009 fertigte: „Das war ein Wunschtraum von mir“, erklärt sie strahlend, „dazu brauchst aber die richtigen Leute, die Schnalzer haben sich drüber getraut. Brett für Brett wurde ge-schnitten, umwickelt und zur Arche mit 20 Metern Länge zusammengebaut. Das war schon ein imposantes Erlebnis!“

Der Igel hat mittlerweile die Hose an, Anita erklärt den Mitgliedern der Musikkapelle, wie sie den richtigen Faltenwurf der Kleidung erhalten: „Das sind dann die Feinheiten, die wir herausarbeiten. Aber das Wichtigste an der Figur ist das passende Untergestell, denn hier werden bereits die Proportionen festgelegt.“ Das Untergestell kann dabei ruhig grob hergestellt sein: „Für das Formen mit Heu bekommst mit der Zeit schon ein Gefühl!“

Kann sich Anita Höll noch an ihre erste Heufigur erinnern? „Ja natürlich! Für den Schnalzerball in Rußbach wollten wir Damen uns etwas Besonderes einfallen lassen, den Ball sozusagen ein bisserl aufpeppen“, schmunzelt sie. Zuerst sollten es, nach dem Vorbild ihrer Schnal-zermänner, die bei Umzügen hoch zu Ross auf-
marschieren, kleine Steckenpferde werden, aber: „Das war uns zu wenig! Wir machten uns daran, ein großes Pferd aus Heu zu basteln.“ Da lacht Anita und meint: „Das war schon noch ein wildes Gestell, damit würd ich mich jetzt nicht mehr sehen lassen, aber Aufsehen haben wir damit schon richtig erregt!“

Genau, denn Reinhard Lanner, dem Geschäftsführer der Ferienregion Lammertal Dachstein-West, stach das Pferd sofort ins Auge und er erkannte das Potenzial dahinter: „Nach dem Ball rief mich der Reinhard an und fragte, ob ich mir ein Fest mit Heufiguren vorstellen kann“, erklärt Anita, die sich von der Idee gleich begeistern ließ und mit ihrer offenen, herzlichen Art und dem vorgezeigten Engagement viele in der Region anstecken konnte: „Beim ersten HeuART in Lungötz hatten wir schon mehr Heufiguren und mehr Besucher, als wir überhaupt zu träumen gewagt haben“, erinnert sie sich: „Über 2.000 Menschen kamen trotz strömendem Regen und schauten, was wir fertig gebracht haben!“

Zum 15. Mal wurde heuer der HeuART-Umzug präsentiert, diesmal am 30. August in Rußbach, Anita Höll war bei 21 Wägen mit Rat und Tat zur Stelle. „Mein Mann hatte anfangs schon Befürchtungen, ob das wohl unsere Ehe aushalten wird“, meint sie schmunzelnd. Gatte Hans, weitum bekannt als der „Ruaßboch Sattler“, unterstützt seine Frau, wo er nur kann: „Erst ein paar Tage vor dem Umzug hat er mir noch einen Wagen zusammengebaut, damit wir eine Figur ordentlich befestigen und ausstellen können“, sagt sie anerkennend und strahlt: „Das sind die Dinge im Hintergrund, die fast niemand bemerkt, aber Goldes wert sind. Ich bin sehr froh, dass Hans und auch unsere Kinder sehr kreativ sind und mich daher nicht nur verstehen, sondern auch selbst mit Leib und Seele dabei sind.“

Nach dem Fest wird es dann auch für Anita Höll ein bisschen ruhiger. Wie schaltet eine Heukünstlerin am besten ab? „Ich bin gerne in den Bergen unterwegs. In diesem Jahr habe ich noch gar keine Wanderung geschafft, darauf freue ich mich im Herbst jetzt richtig!“

Sylvia Schober

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