Spielerisch gesund werden

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Spielerisch gesund werden

Das Projekt „Sharing“ der Kinderseelenhilfe gibt es bereits seit 8 Jahren. Kindern und Jugendlichen mit psychosozialen Störungen wird hier im und durch das Spiel mit Rollen geholfen.
 Ein Artikel von Marion Flach

Ulrike Altendorfer-Kling und Barbara Herzog-Schuster gründeten 2008 gemeinsam das Projekt „Sharing“. Kinder lernen hier über Rollenspiele, besser miteinander und mit sich selbst umzugehen. Außerdem wird das Selbstwertgefühl gestärkt.

Gemeinsam und strukturiert

Einmal wöchentlich trifft sich die Gruppe, die im Schuljahresrhythmus geführt wird. Höchstens acht Kinder, mindestens aber drei können teilnehmen. Die Treffen laufen sehr strukturiert ab, weiß Ulrike Altendorfer-Kling: „Zunächst einmal kommen alle in der Gruppe an. Die Begrüßung dient dazu, dass die Kinder erzählen können, was los war und wie es ihnen geht. Oft kommt im Gespräch aber nur sehr wenig.“ Im Anschluss daran wird der Spielablauf gemeinsam erarbeitet. „Wichtig ist es, dass jedes Kind spielen darf, was es will“, erklärt Altendorfer-Kling. „Natürlich muss es auch immer Gegenspieler geben. Im Zweifel werden die beispielsweise von Hilfs-Ichs übernommen. Im Spiel tun wir so, als ob, was auch geübt werden muss!“ In den so entstehenden Fantasiegeschichten taucht oftmals der Lebensalltag der Kinder auf. Die Regievorstellungen lehnen sich aber auch an Märchen an oder orientieren sich an bedeutungsvollen Rahmen.

Nachdem der Spielablauf festgelegt wurde, folgt die Phase der Einkleidung. Außerdem wird die Bühne aufgebaut. So fällt es den Kindern leichter, in der Rolle zu sein.

Halt geben

Für den Ablauf gibt es ganz grundlegende Regeln, die vorab gemeinsam bestimmt werden. „Wenn das Spiel in eine andere Richtung abdriftet, können alle Spieler im Standbild ‚eingefroren‘ werden. Das kann vom Leiter ausgehen, aber auch von den Kindern selbst, die mit dem Ablauf so nicht einverstanden sind“, beschreibt Altendorfer-Kling das Prozedere. Auch der Schlusspunkt wird vorab ausgehandelt und im Spiel von der Leitung angekündigt. Das ist einerseits wichtig, um den Kindern ein Gerüst zu geben, andererseits auch, um zu einem positiven Ende kommen zu können.

Betreut werden die Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren von zwei Therapeuten. „Viele Kinder machen in der Schule die Erfahrung, dass sie nicht tragbar sind. Dadurch, dass die Gruppe von zwei Therapeuten betreut wird, können problematische Situationen aufgefangen und Kinder auch einzeln im Nebenraum betreut werden, wenn das Bedürfnis besteht“, erklärt Altendorfer-Kling.

Nach dem Rollenspiel gibt es eine Nachbesprechungsrunde. Einerseits besteht diese aus dem
Rollen-Feedback. Die Sharing-Runde andererseits
schließt Erfahrungen aus dem eigenen Leben ein. Die Therapeuten haben in der Nachbesprechungsphase zudem die Möglichkeit, Lösungsvorschläge anzubieten.

Frei sein – glücklich werden

„Das tolle am Psychodrama ist, dass es völlig risikofrei ist“, sagt Altendorfer-Kling, „die Kinder können ausprobieren und sich etwas trauen – ohne dass es Konsequenzen für sie hätte. Dadurch machen die Kinder oft auch Erfahrungen, die sie positiv in den Alltag übertragen können.“ So ist das Projekt für viele Teilnehmer ein wichtiger Bestandteil, gesund zu werden und seinen eigenen Platz im sozialen Gefüge zu finden.

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