Richtig gut sehen

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Richtig gut sehen

Die Augen sind unser Fenster zur Außenwelt. Wir sehen, um uns zu orientieren, Schönes oder Gefährliches wahrzunehmen, um uns ein Bild von der Welt zu machen. Wie wichtig das Augenlicht ist, wird oft erst bewusst, wenn sich Beschwerden zeigen.
Ein Artikel von Maria Riedler

Einschränkungen des Sehens oder Schmerzen können auf verschiedene Probleme hindeuten. Teils hängen sie mit dem Alterungsprozess zusammen, teils haben sie andere Ursachen. Für viele Erkrankungen gilt: Vorbeugen ist ein guter Schutz. Und: rasches Abklären und Behandeln sind wesentlich, so der Salzburger Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Univ.-Doz. Dr. Josef Ruckhofer.

Volksleiden Kurzsichtigkeit

Unsere Augen müssen täglich auf Bildschirme, auf Buchstaben und auf nahe Bilder starren. Das hat natürlich auch für die Augen Folgen, denn eigentlich sind sie für den Wechsel zwischen dem Schauen in die Nähe und dem Schweifen in die Ferne vorgesehen. Wenn sie stattdessen bereits in der Kindheit und Jugend viele Stunden nur auf den Nahbereich fixiert sind, versuchen sie, die kurze Distanz zwischen dem Fokussierten und der Netzhaut auszugleichen, indem das Auge in die Länge wächst.  So entsteht Kurzsichtigkeit, die mit sich bringt, dass nur noch Bilder in der Nähe scharf gesehen werden können und die Sehkraft in die Ferne verloren geht. „In einigen Industrieländern hat sich die Zahl der Kurzsichtigen seit den 1960er Jahren verdreifacht, in Österreich ist bereits jeder Dritte kurzsichtig, in Asien bereits 60-80 Prozent“, sagt Ruckhofer. Kurzsichtigkeit bringt außerdem ein erhöhtes Risiko für einige Augenerkrankungen mit sich. „Dazu zählen etwa die Netzhautablösung, sowie eine spezielle Form der Makuladegeneration, und der Grüne Star – Leiden, die zu Sehbehinderungen und schlimmstenfalls zur Erblindung führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden.“

Grüner Star

Bei einem Glaukom (Grüner Star) ist der Augeninnendruck krankhaft erhöht. Die Ursachen für ein Glaukom können ebenso wie die individuellen Beschwerden unterschiedlich sein, gemeinsam ist allen Formen, dass der Sehnerv durch den zu hohen Druck auf Dauer geschädigt wird, was unbehandelt zur Erblindung führt. Es gibt verschiedene Arten des Glaukoms; etwa vier Prozent aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Glaukom, meist tritt der so genannte Grüne Star nach dem 40. Lebensjahr auf. Die Behandlung richtet sich nach der Art des Glaukoms und kann sowohl medikamentös als auch operativ erfolgen.

Bildschirm trocknet Augen aus

Rund 20 Prozent der Bevölkerung leiden am so genannten „trockenen“ Auge. Noch vor einigen Jahrzehnten war das Leiden weitgehend unbekannt und trat, wenn überhaupt, höchstens im fortgeschrittenen Alter auf. Jetzt erkrankt bereits jeder Fünfte ab 40 an trockenen Augen, dem sogenannten Sicca-Syndrom. Hier verschlimmert klimatisierte und verrauchte Luft das Problem, die Ozonbelastung und Schadstoffe wie Feinstaub tun ihr Übriges. Erkennbar ist das Sicca-Syndrom unter anderem an dem Gefühl, Sandkörner in den Augen zu haben, ein Kratzen und Brennen, gerötete Augen. Aber auch tränende Augen, eine Schleierbildung und eine Verschlechterung der Sehleistung können vorkommen.

Spezielle Augentropfen oder Augengele können helfen, Betroffene sollten aber dringend zum Augenarzt gehen. Wird das Sicca-Syndrom nicht oder nicht richtig behandelt, kann es zu Hornhautschäden führen, die das Sehvermögen beeinträchtigen. Und auch Stress kann ins Auge gehen: Man weiß inzwischen, dass die so genannte Retinopathia centralis serosa, eine flüssigkeitsbedingte Abhebung von Netzhautschichten, eindeutig durch körperlichen und seelischen Stress verursacht wird. Diese Erkrankung der Netzhaut, die mit einer erheblichen Sehleistungseinschränkung einhergehen kann, betrifft vor allem jüngere Männer und Frauen. Man vermutet, dass sie ausgelöst wird, wenn der Wert des Stresshormons Cortisol im Blut dauerhaft erhöht ist.

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Fotos: SALK

Abklärung nötig

Plötzlich flackert, flimmert oder blitzt es, manchen wird schwarz vor den Augen, andere sehen graue Flecken oder Doppelbilder und im schlimmsten Fall erblindet ein Auge sogar: Eine Sehstörung, also die krankhafte  Beeinträchtigung des Sehapparats, kann vorübergehend oder anhaltend sein. Speziell, wenn sie plötzlich aufgetreten ist und sich nicht durch eine herkömmliche Fehlsichtigkeit erklären lässt, sollte man unverzüglich ärztliche Hilfe suchen. Das Problem kann ein Hinweis auf eine gravierende Erkrankung und zwar nicht nur der Augen (z. B. eine Hornhautentzündung, Netzhautablösung) sein, sondern auch auf neurologische Erkrankungen deuten.

Bei allen eventuellen Sehproblemen heißt es jedenfalls den Augenarzt aufsuchen. Denn zum einen kann nur der Facharzt erkennen, ob und welche Krankheiten bzw. Fehlsichtigkeiten bestehen. Und was und ab wie vielen Dioptrien man etwas gegen die Kurz- oder Weitsichtigkeit unternehmen bzw. welche getragen werden sollten. Individuelle Beratung dazu geben auch Optiker. „Auch das Auftreten der Alterssichtigkeit, welche jeden Menschen ab Mitte Vierzig trifft und die Verwendung einer Lesebrille notwendig macht, sollte Anlass für einen Augenarztbesuch sein“, betont der Augenarzt Ruckhofer. „Ob eine Brille, Kontaktlinsen oder eine Operation – persönliche Vorlieben spielen hier eine Rolle.“

Unzählige Möglichkeiten

Kontaktlinsen und Brillen korrigieren die Kurz- oder Weitsichtigkeit nicht dauerhaft, eine Laseroperation hingegen in den allermeisten Fällen schon. Sie wird seit Anfang der 1990er Jahre durchgeführt, inzwischen sind die Methoden immer schonender geworden sowie nahezu schmerzlos und weitgehend risikoarm. „Die derzeit modernste Methode (Femto-LASIK) kann damit Kurzsichtigkeit bis etwa -9, Weitsichtigkeit bis ungefähr +3 und Hornhautverkrümmung bis ca. 5 Dioptrien korrigieren“, erklärt Univ-Doz. Dr. Josef Ruckhofer, der auch Leiter der Refraktiven Ambulanz in den Salzburger Landeskliniken (SALK) ist. „Höhere Fehlsichtigkeiten können entweder durch Implantation einer zusätzlichen Linse oder durch Austausch der eigenen Linse durch eine Multifokallinse korrigiert werden. Bei der letzteren Methode ist dadurch auch eine Unabhängigkeit von der Lesebrille möglich.“

Egal für welche Hilfen sich Fehlsichtige entscheiden, immer sollte eine regelmäßige Kontrolluntersuchung beim Augenarzt bleiben. Denn aufgrund der Verformung des Augapfels, die ja auch nach der Operation bestehen bleibt, ist das Risiko größer, bestimmte Augenerkrankungen zu bekommen. Dazu zählen etwa Netzhautablösungen, Glaskörpertrübungen, der Graue und Grüne Star. Je früher man diese Krankheiten erkennt, desto besser können sie behandelt werden.

Säulen der Augengesundheit

Manche Augenprobleme treten auch genetisch gehäuft auf, dazu gehören etwa Schielen, Sehfehler wie die Kurzsichtigkeit, der Grüne Star (Glaukom) oder die altersbedingte Makuladegeneration. Diesen Risikogruppen sind regelmäßige augenärztliche Untersuchungen besonders anzuraten. Manchmal sind Augenerkrankungen die Folge von Primärerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Autoimmunerkrankungen, die zuerst behandelt werden müssen, um Sehstörungen möglichst zu vermeiden. Und Alterserscheinungen wie zum Beispiel das Nachlassen der Lesefähigkeit (in der Nähe) lassen sich nicht wirklich verhindern. Dennoch kann man vieles tun, um die Augen möglichst lange gesund zu erhalten. Richtige Ernährung, ausreichende Schonung, maßvolles sportliches Training und regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchung heißen die vier Säulen der Augengesundheit.

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Augenpflege
Menschen, die viel Zeit am Bildschirm verbringen, können gezielt „Augenpflege“ betreiben. Dazu gehören Ruhepausen ebenso wie Gähnen, bis die Augen feucht werden, bewusstes häufiges Blinzeln, regelmäßiges Lüften, ausreichende Luftfeuchtigkeit, optimale Bildschirmposition (50 bis 70 Zentimeter vom Betrachter) und richtiges Licht (hell, flimmer- und blendfrei). Brillenträger sollten ihren Augenarzt konsultieren, um zu klären, ob eine Bildschirmbrille verordnet werden soll. Das ist eine Sehhilfe, die auf die optimale Sehdistanz für die jeweiligen Arbeitsbedingungen eingestellt ist, für die die „normale“ Brille vielleicht nicht geschaffen ist.
Apropos Brille: Auch Sonnenbrillen mit UV-absorbierenden Gläsern gehören selbstverständlich zur Augenpflege. Besonders für Kinder sind sie wichtig, um Folgeschäden zu verhindern.

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