Quellfrisch durch Abtenau

Abtenau-5-Egelsee

Quellfrisch durch Abtenau

Glasklar, Abtenau belebt die Sinne! Die Wege durch die kleine Welt im Lammertal führen zu ganz erstaunlichen Orten.
Ein Artikel von Christian Heugl

Das Abtenauer Becken war schon immer ein gefragter Boden. Die ersten Siedler hier im Lammertal waren wohl die Kelten auf der Suche nach sicheren Orten, später kamen die Bajuwaren und schließlich ab dem 12. Jahrhundert die Herren des Erzstifts St. Peter aus der Stadt Salzburg. Die Au des Abtes (=Abtenau) wäre also eine naheliegende Deutung, aber der alte Ortsname „Appanowa“ verrät noch mehr, denn das sinngemäß in allen Sprachen des Alpenraumes verwendete Wort „Apa“ steht für Wasser.

Wasser ist Leben

Gemeint sind die überaus ergiebigen Quellen, die im Ortsteil Auwinkel an der Nordseite des Tennengebirges an das Tageslicht treten. Zu diesen beiden mächtigen Quellen, dem Dachser- und dem Tricklfall, führt ein wunderbar belebender, eineinhalbstündiger Rundwanderweg. Ein wahrlich cooler Tipp für heiße Tage.
Aber auch bei der Wanderung quer durch das Abtenauer Becken spielt Wasser eine nicht unerhebliche Rolle. Eigentlich gerade dort, wo man es nicht unbedingt erwartet, öffnet sich der Blick auf den kleinen Egelsee, wie er da malerisch zwischen Obststreuwiesen eingebettet liegt.
Noch versteckter als der dezente Egelsee, ist ein weiterer Wasserschatz aus der Tiefe des Abtenauer Beckens. Im abgeschiedenen Ortsteil Hallseiten treten zwei Heilquellen an das Tageslicht. Bereits im Jahre 1871 gab es daneben ein Hotel mit Badekuranwendungen, das Zwieselbad, und der Ort wurde kurzzeitig zum „Bad Abtenau“ geadelt.

Um 1900 übernahm ein Schweizer Hotelier die Anlage und investierte in elektrisches Licht und eine Zentralheizung. Nicht zuletzt wegen der beiden Weltkriege stellte sich der Erfolg nicht im gewünschten Maße ein, aber die beeindruckend reichhaltige Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Mineralquelle fließt noch immer aus der unscheinbaren Felsspalte. Kostenlos und jederzeit verfügbar! Kriege unserer Zeit haben hingegen andere Menschen hier an diesen stillen Ort an der Lammer gebracht. Statt der Kurgäste sind im ehemaligen Haus Youtel-Abtenau nun Flüchtlinge eingezogen, die wie die Gäste von einst auf der Suche nach Frieden und Heilung der verletzten Seelen sind. Das Wasser der Rupertus- und der Annaquelle schmeckt ziemlich bitter, aber es hilft.

Der Sonnleitner

Ganz oben am höchsten Punkt der Wanderung thront der Gschwandtner Toni, vulgo Sonnleitner. Er hat sich hier sein eigenes Reich aufgebaut. Nach dem Wirtshaus und der Landwirtschaft kamen die Troadkästen zum Wohnen und dann die Kapelle zum Verweilen. Obwohl es so aussieht, als ob alles schon seit Urzeiten hier an diesem begnadeten Sonnenplatz über dem Ort steht, ist nur das Gebäude wirklich alt, in dem jetzt der Dorfladen, die Backstube und die Käserei Platz gefunden haben. Das Brot, den Käse und das Fleisch produziert der Sonnleitner Toni selbst, verkauft wird es im Hofladen, im Wirtshaus und im Sommer am Bauernmarkt in Abtenau. Und nicht zu vergessen, einmal im Jahr am Rupertikirtag in Salzburg. Die Bodenständigkeit der Bewohner hielt auch schon der große Schulpädagoge Michael Vierthaler vor genau 200 Jahren in seinen „Wanderungen durch Salzburg, Berchtesgaden und Österreich“ fest: „Die Bewohner der großen Au befinden sich in mancher Hinsicht noch in einem ursprünglichen Zustande. Es gibt unter ihnen weder Gärber, noch Zimmerleute noch Müller. Jeder Bauer bereitet sein Leder selbst, er zimmert sich selbst sein Haus und mahlet auf eigener Mühle sein Mehl.“ Abschließend schreibt Vierthaler über die Abtenauer, vermutlich noch ganz unter dem Eindruck einer schrecklichen Pocken-Epidemie, die alleine im Jahre 1801 mehr als 60 Kinder im Tal dahinraffte: „Noch lange werden ihm Bücher, Schulen und Kuhpocken verdächtig sein.“ Die Zeiten haben sich geändert. Bei dieser Wanderung durch die Abtenauer Kulturlandschaft wird neben den prachtvollen, jahrhundertealten Höfen auch viel Innovatives zum Vorschein kommen.

Abtenau-1-Sonnleitn

Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude auf der Sonnleit`n ist heute der Dorfladen untergebracht.

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Die Troadkästen auf der Sonnleit`n werden an Gäste vermietet.

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Der Arlerhof ist das älteste Gehöft im Ortsteil Auwinkel. Seit 1982 ist hier das Heimatmuseum untergebracht.

Abtenau-8-Egelseebauer

Der romantische Troadkasten gehört zum Egelseebauernhof.

Abtenau-4-Dachserfall-Detail

Quellfrisch aus dem Tennengebirge. Die Schüttung der Dachserfallquelle hängt von den Niederschlägen und der Schneeschmelze ab.

Der Weg zwischen Sonnleit’n und Egelsee

Ausgangspunkt ist der große Parkplatz auf der Ostseite des Friedhofs. An einem Autohaus vorbei geht es über die Zufahrt bergauf, nach der S-Kurve setzt die gelbe Beschilderung „Scheffenbichl (R 36)“ ein. Bald darauf zweigt der Weg nach links zur „Sonnleit`n“ ab. Bei den Troadkästen bieten sich zwei Möglichkeiten an: die eine folgt dem breiten Weg Richtung Norden, die etwas längere Variante peilt die Kapelle an, zweigt aber in der letzten Kurve davor nach rechts auf den Scheffenbichl ab. Über diesen sanften Rücken (910 m) verläuft der Pfad 171 b und mündet dann wieder in den Hauptweg ein. Nächster Zielpunkt ist der Fliehhof. Die Speisekarte der Gaststätte ist klein, aber fein, eine große Auswahl hingegen erlauben die über 20 verschiedenen Schnäpse und Liköre. Die vielen Streuobstwiesen entlang des Weges liefern sicher die beste Basis für den Obstler. Bei der nächsten Kreuzung zweigt der Weg 160 Richtung Egelsee nach links ab, dann geht es über Wiesen und am Waldrand entlang zum malerischen Torfsee, zu dem ein kurzer Stichweg führt. Goldfische treiben malerisch wie buntes Herbstlaub im klaren Wasser. Allerdings ist die Idylle trügerisch, denn die hier entsorgten artfremden Zuzügler machen Laubfrosch & Co das Leben schwer. Der Hauptweg führt zum prachtvoll gelegenen Egelseebauernhof und von hier in 40 Minuten über Zufahrtswege retour nach Abtenau.

Details für die Wanderung
Die Anfahrt: ab Golling auf der B 162 durch das Lammertal nach Abtenau. Durch das Zentrum, dann links auf den großen Parkplatz (Schild) neben dem Friedhof. Bus 470 ab Golling Bhf.
Egelseerunde: 3 Stunden, 250 Höhenmeter, 7 Kilometer
Info: www.abtenau-info.at

Rupertus- und Annenquelle
Die Anfahrt: von Abtenau auf B 162 und B 166 Richtung Russbach. Nach der Lammerbrücke nach rechts. Nach 1 km Zugang zur Quelle neben dem ehemaligen Jugendgästehaus Youtel Abtenau.

Trickl- und Dachserfall
Die Anfahrt: im Ortsgebiet kurz nach dem Billamarkt nach rechts zum Parkplatz „Arlerhof“.

Zur Sonnleit`n
Öffnungszeiten Sommer:
Montag & Donnerstag: ab 16.00 Uhr
Freitag, Samstag, Sonntag: ganztags geöffnet
Dienstag & Mittwoch: Ruhetag
Info: www.sonnleitn-abtenau.at

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