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Neue Wege für die Halleiner Kulturszene

Nach 27 Jahren hat sich Halleins Kulturrevolutionär Friedl Bahner in den Ruhestand verabschiedet. Auf Initiative der heimischen Künstler hin ist nun der Verein „Sudhaus“ entstanden – und der geht neue, unkonventionelle Wege.
Ein Artikel von Katharina Maier

Mit dem Ende des Kulturforums beginnt eine neue Ära für die Halleiner Kulturszene. Seit Anfang des Jahres kümmert sich die Initiative Sudhaus um das kulturelle Geschehen in der Bezirkshauptstadt. Der Verein unter Obfrau Birgitt Stieldorf und Geschäftsführerin Patrizia Ebner organisiert nicht nur die Kulturveranstaltungen, sondern versteht sich auch als eine Art Beratungsstelle, erklärt Ebner: „Wir helfen den Künstlern bei der Umsetzung ihrer Projekte.“ Das neue Vereinslokal am Oberen Markt 1 steht zudem allen Interessierten offen: „Es soll ein Ort zum Netzwerken sein. Hier können sich die Künstler zu Besprechungen oder Workshops treffen“, erzählt Ebner. Finanziert wird der Verein durch Förderungen der Stadtgemeinde Hallein und des Kulturreferats des Landes. Inhaltlich will die Initiative das Halleiner Kulturleben neu ausrichten: jung, kreativ und unkonventionell, lautet die Vision.

Ein Rückblick: Kulturforum Hallein

In den 1980er Jahren schaffte der Halleiner Friedl Bahner das damals schier Unmögliche: Er schuf ein eigenständiges Kulturleben in einer Stadt, deren Aushängeschild jahrzehntelang die Papierfabrik gewesen war. Unter anderem war er Initiator des weit über die Grenzen Salzburgs hinweg bekannten Halleiner Folk-Festivals. Unter seiner Leitung besuchten zwischen 1990 und 2014 rund 525.000 Zuschauer die Kulturveranstaltungen in Hallein. Nach 27 Jahren großteils ehrenamtlicher Arbeit ging Bahner im vergangenen Jahr in den Ruhestand – und mit ihm das Kulturforum.

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Fotos: Katharina Maier

Sudhaus: das junge, kreative Hallein

Der Verein Sudhaus hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, Bahners Erbe fortzusetzen. Gleichzeitig will man aber auch ganz neue Wege gehen. Geschäftsführerin Patrizia Ebner sieht in Hallein großes Potential: „Wir haben eine unglaublich aktive und moderne Kulturszene. Projekte wie die „Schmiede“ oder „Creativity Rules“ und die vielen Start-Ups sind das beste Beispiel dafür, dass Hallein eine Stadt der Jungen, Kreativen sein kann“. Das Problem sei nur, dass die Halleiner selbst gar nicht über diese neuen Künstler Bescheid wüssten, erklärt Ebner. Das soll sich in Zukunft ändern. Ein Ziel von Sudhaus ist es zum Beispiel, vermehrt Veranstaltungen in der Altstadt zu machen, etwa Konzerte oder Filmabende. „Wir haben so viele schöne Plätze in Hallein, die man wunderbar bespielen kann“, sagt Ebner. Außerdem gibt es bereits 2016 einige neue Themenschwerpunkte, darunter die Feststadt Hallein, die Sudhaus Werkstätten, das Projekt „Filmstadt Hallein“ und die Dürrnberger Konzerte. Künftig soll es auch vermehrt Angebote für Kinder und Jugendliche geben, erklärt Ebner: „Es gibt hier sehr viele junge Leute, die etwas machen wollen. Man muss es nur aus ihnen herauskitzeln“. Die bereits etablierte Kulturszene will man aber weiterhin einbinden: „Die Bürgerkorpskapelle ist natürlich genauso wichtig wie die Schmiede. Die Mischung macht’s aus“.

Erste Etappe: Bewusstsein schaffen

Am Anfang sei das Wichtigste, die Halleiner selbst davon zu überzeugen, wie lebendig ihr Kulturleben sein kann, erklärt Ebner. Aber nicht nur die Bevölkerung müsse mit an Bord sein, sondern auch die Stadtgemeinde: „Das Bewusstsein für eine neue Kulturszene ist schon da, aber die Politik hat noch nicht wirklich erkannt, dass Kreativität auch ein Wirtschafts- und Tourismusfaktor sein kann“. Außerdem müsse mehr für die jungen Halleiner getan werden: „Ich wünsche mir, dass auch das junge Publikum wirklich als Publikum angesehen wird. Am Campus der Fachhochschule in Puch-Urstein leben hunderte Studenten— nur war für die Hallein bisher nicht interessant“, weiß Ebner von ihrer Tätigkeit als Dozentin an der FH.

Auch die Nähe zur Festspielstadt Salzburg hat es Hallein in der Vergangenheit nicht leicht gemacht. Patrizia Ebner hat dafür ein einfaches Rezept: „Nur nicht konkurrieren!“ Vielmehr sollte Hallein aus der jungen, kreativen Szene ein Markenzeichen machen: „Wir haben einige interessante Nischen in Hallein, die es in Salzburg nicht gibt“, sagt die studierte Theater-, Film- und Medienwissenschafterin.

Für Patrizia Ebner ist Hallein ein idealer Nährboden für neue Projekte. Nach 10 Jahren in Wien hat es sie wieder zurück in den Tennengau gezogen: „Hallein ist eine unglaublich heimelige Stadt, die einen total erdet. Und trotzdem sprüht dann auf einmal so ein Funke über, der dich kreativ macht. Das ist einfach schön“.

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Der neue Verein Sudhaus versteht sich als offener Raum für Kulturschaffende und Interessierte.

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