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Kultur ist ein umfassender Begriff – & meine Lebensgrundlage

Das sagt Hermann Döllerer, Tennengauer des Jahres 2017, Spitzengastronom, Weinhändler, -kenner und -liebhaber, der sein Leben eben jenem umfassenden Begriff mit Leidenschaft gewidmet hat. Deshalb betätigt er sich auch als Kulturveranstalter der „Kunst & Kulinarik Festspiele“ auf der Burg Golling oder als Sportler und Sportfan und definiert das Leben als Genuss für alle Sinne.
Ein Artikel von René Herndl

Nach seinem Abschluss der Hotelfachschule Bad Reichenhall war er allein-unterhaltender Werbeträger für das elterliche Gasthaus in Golling, Skilehrer und Organisator so mancher touristischen Veranstaltung vor Ort. Das Wirtshaus war, wie die Metzgerei, vorerst Nebensache – die Liebe zum guten Wein dagegen eine schon eher früh entdeckte Passion.

Fotos: Hermann Döllerer

Fotos: Hermann Döllerer

Eine prägende Begegnung mit dem legendären Salzburger Gourmetkritiker und ORF-Intendanten Rudolf Bayr im Jahr 1979 war dann der Impuls für den weiteren Lebensweg zum Spitzengastronom und Weinhändler. Das so entdeckte Qualitätsbewusstsein schlug sich nicht nur in sündteuren Schnupperkursen bei gastronomischen Größen dieser Zeit nieder, auch der Ehrgeiz war geweckt, aus dem ohnehin schon anerkannt guten Wirtshaus einen gastronomischen Leitbetrieb zu machen. Gemeinsam mit seinem Küchenchef Karl Einfalt erkochte Hermann Döllerer zuerst eine, dann mit dem in Salzburg ebenfalls legendären Tiroler Bruno Plotegher als Küchenchef 1990 die zweite Haube.
Das private Glück des Familienlebens ging Hand in Hand mit dem weiteren Aufschwung seiner Aktivitäten. So errang Bernhard Hauser als Küchenchef schon 1997 die dritte Haube und das Weinhandelshaus expandierte von einem kleinen Weinhandel für Freunde und Liebhaber edler Tropfen zur alpinen Institution mit Angeboten bester Adressen aus aller Welt.

Hermann-Portraitbild
Hermann--Freunde
Philipp-Preimesberger-und-Hermann
Otto-Schenk-und-Hermann

So entwickelte sich das, was heute „Döllerers Genusswelten“ genannt wird – samt Feinkostladen, Hotel, Feinschmecker-Restaurant und neuem Wirtshaus –, woran auch der inzwischen als junger Kochstar ausgezeichnete Sohn Andreas wie die ganze Familie einen großen Anteil hat. Von den überregionalen gastronomischen Aktivitäten wie der multinationalen Hotelkooperation der „Genießerhotels & Restaurants“ abgesehen.
Und weil Hermann Döllerer nicht nur auf mehr als 45 Berufsjahre zurückblicken kann, vielmehr noch, weil er sein Leben über die Ess- und Trinkkultur hinaus auch generell der Kultur widmet, haben wir uns zusammen-gesetzt und ein wenig über das Leben, die Kultur an sich und die Perspektiven, die er noch hat, geplaudert:

Hermann, wo liegt dein Zugang zur Kultur? Wo deine Wurzeln?
Am Beginn stand klarerweise die Ess- und Trinkkultur.
Ich hatte zwar damals keine Gelegenheit, Festspielaufführungen zu besuchen, aber die Künstler, die bei uns einkehrten, schafften eine zunehmende Nähe zu Hochkultur. So ergab sich durch ein Gespräch mit einem Wiener Philharmoniker die Idee, ein Konzert für unsere Gäste in der brachliegenden Burg Golling zu veranstalten, also, Kunst und Kulinarik auf eine erste gemeinsame Ebene zu bringen. In der Folge waren Begegnungen mit etlichen Künstlern – ich erinnere mich an Fritz Muliar, Louise Martini oder Otto Schenk – Impulse, das Programm zu erweitern und das Kulturerlebnis in Gemeinsamkeit mit Kulinarik zu intensivieren, wobei letztere für die Künstler auch Teil der Gage ist, die sie gerne annehmen. Dass sie es zunehmend genießen, beweist auch das neue Programm mit nunmehr 17 Veranstaltungen. Und dass wir auch die bildnerische Kunst einbeziehen, erscheint mir eine logische Konsequenz meines Kulturverständnisses, das neue Aspekte als Entwicklungshilfe einbringt.

_MG_5088Was bemängelst du an der gesellschaftspolitischen Kultur – was schätzt du?
Politik und Kultur vertragen sich nicht. Die Entwicklung neuer kultureller Richtungen muss den Künstlern überlassen bleiben – eine Einmischung wäre kontraproduktiv. Die Chance, gerade für junge Künstler, liegt im Zulassen einer eigenständigen Entwicklung, die uns so eventuell neue Sichtweisen und Interpretationen ermöglicht.

Welche Vorstellungen und Träume möchtest du noch verwirklichen?
Ich hatte das Glück, dass mir beruflich alles „aufgegangen“ ist. Der Weinhandel etwa entstand nicht aus eigenem Antrieb, vielmehr drängten mich benachbarte Gastronomen, Wirte, die ich mit meiner Weinkenntnis beraten habe, dazu. Und so war und ist mein Ziel und meine Absicht, Freundschaften über die Kulinarik und die Kultur weiter zu intensivieren, vielleicht ein wenig ruhiger meiner Leidenschaft zu frönen und die Entwicklung des Programms der Festspiele in der Gollinger Burg noch interessanter und vielschichtiger zu machen. Und natürlich hoffe ich, dass meine Nachkommen in diesem Sinn weiterarbeiten werden.

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