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Hallein – Ein Spielplatz der Ideen

Jedes Jahr wird die Alte Saline auf der Pernerinsel in Hallein zum Mekka für digitale Kunst. Menschen aus allen Teilen der Welt treffen sich bei der sogenannten „Schmiede“. Mit den verschiedensten Hintergründen und aus den unterschiedlichsten Berufssparten kommen sie zusammen, um gemeinsam Großes zu schaffen und um sich kreativ entfalten zu können. Innerhalb kürzester Zeit werden aus einfachen Ideen richtige Kunstwerke.

Die Geschichte der Schmiede begann bereits vor 13 Jahren, als die drei jungen Burschen Rüdiger und Philipp Wassibauer sowie Paul Estrela in ihren frühen Zwanzigern eine Idee für ein Kunstwerk  umsetzen wollten. Ihr einziges Problem damals war: Platzmangel! Um dem Abhilfe zu schaffen, bereisten sie die halbe Welt und besuchten die verschiedensten Festivals, wie zum Beispiel das Ars Electronica Festival, die Frankfurter Musikmesse und unter anderem auch den Burning Man. Inspiriert von ihren Reisen beschlossen die drei, ein eigenes Medienkunstfestival zu gründen. Sie bekamen eine Förderung von 10.000 Euro und fanden die perfekte Location: die Alte Saline in Hallein. Damit war die „Schmiede“ geboren.

„Wir waren jung und naiv“, erzählt Rüdiger Wassibauer. Von Euphorie gepackt, umfasste das erste  Event bereits 70 Teilnehmer, die sieben Tage Zeit hatten, um ihre Ideen zu verwirklichen. „Sinn der Schmiede ist es, die verschiedensten Menschen an einem Ort zu versammeln und gemeinsam Kunst zu machen“, erklärt Wassibauer. Der Unterschied der Schmiede zu anderen Festivals liege darin, dass die Schmiede keine Ausstellungsmesse ist. Es werden also nicht einfach Kunstwerke – auch „Installationen“ genannt – ausgestellt, sondern in der Gemeinschaft erarbeitet und am Ende präsentiert. Der Fokus liegt dabei ganz auf den Produzenten und nimmt den Wettbewerbsdruck, denn am Ende gibt es weder Gewinner noch Verlierer. Viel wichtiger sind der Spaß und die Freude an der Arbeit, umgeben von lauter kreativen Köpfen.

Die Schmiede hat sich zu einem Netzwerk aus Menschen etabliert, die in den verschiedensten Feldern der Kunst, des Designs und der Technologie beschäftigt sind. Ihre Mitglieder werden liebevoll „Smiths“ genannt. Die Smiths kommen von überall auf der Welt, aus den USA, Taiwan, Nigeria, Argentinien, Russland, Dänemark, Korea, Indien und Kanada. Aber natürlich auch aus allen Regionen Österreichs und Deutschlands.

Die Schmiede unterscheidet sich nicht nur in ihrer Originalität gegenüber anderen Festivals, sondern auch durch ihre Teilnehmer. Der älteste Smith war 60 Jahre alt, der Jüngste erst 20. Die Smiths sind in den unterschiedlichsten künstlerischen Sektoren tätig und arbeiten mit Musik, Videos, Skulpturen, Fotografien, Tanz, Schauspielerei, Elektronik, Computerspielen und Bühnenbildern. Sie stammen aber auch aus beruflichen Bereichen, die rein gar nichts mit Kunst zu tun haben.

Create

Auch heuer toben sich die Smiths vom 10. bis 20. September in der Alten Saline aus. Die diesjährige Schmiede steht ganz unter dem Motto READY! Wann ist man bereit? Wann ist man soweit, den eigenen Entschluss in die Tat umzusetzen und sich einfach in ein Abenteuer zu stürzen? Sich in das Ungewisse fallen zu lassen und aus einer einfachen Theorie etwas Wundervolles zu schaf-fen? In den 10 Tagen der Schmiede geben sich Euphorie und blanke Panik die Klinke und halten die 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 30 verschiedenen Ländern ziemlich auf Trab. Ein Grundprinzip der Schmiede ist es, dass die Teilnehmer selbst das Festival gestalten, erklärt Wassibauer: „Wir als Organisatoren stellen nur einen Rahmen zur Verfügung. Das Bild dahinter zeichnen die Smiths selbst“. Das Ergebnis wird am 19. September in Form einer Werkschau präsentiert.

Kathi Macheiner und Lilo Krebernik von Adhocrates Collective beispielsweise haben im Rahmen der Schmiede einen mobilen Spielplatz kreiert, der überall aufgebaut werden kann. Die Idee dahinter war es, Arbeit und Kind vereinen zu können und Kindern eine Möglichkeit zu bieten, sich überall wohl zu fühlen. Ein weiteres großes Projekt ist das sogenannte „Cinema Vertigo“, entwickelt von Benjamin Hohnheiser, Jakob Barth und Jan-Nahuel Jenny. Das Cinema Vertigo ist ein interaktives Kunstwerk, das als Projektionsfläche für Animationsfilme, Theateraufnahmen und Poesie dient. Es soll den Smiths die Möglichkeit geben, sich auszutauschen und gemeinsame Ideen zu verwirklichen.

Present

Seit 2006 wird jedes Jahr im Rahmen der Schmiede der Medienkunstpreis verliehen. Dieser Preis in der Höhe von 10.000 € wird vom Land Salzburg an die beste Idee vergeben. Mit dem Geld können die Gewinner ihre Idee in die Tat umsetzen. Um den Preis zu gewinnen, muss man entweder in Salzburg geboren sein oder hier studieren. Die Teilnehmer sollen sich gezielt mit den Möglich-keiten der neuen Medien in Verbindung mit den traditionellen Medien auseinandersetzen.

Die Schmiede in Hallein regt zum Nachdenken, zum Kommunizieren, zum Helfen und zum Gestalten an. Auch wenn Kunst für jeden von uns etwas anderes darstellt und die Schönheit der Kunst rein im Auge des Betrachters liegt, verbindet alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Wille, einzigartige Installationen zu schaffen. Einzigartig auf eine eigene Art und Weise. Nicht jedem muss die gleiche Kunst gefallen – sie soll verbinden und Schnittstellen herauskristallisieren, um wieder neue Dinge zu entwerfen und zu realisieren. Die Schmiede schafft eine Basis, um sich frei entfalten zu können, um Spaß an der Arbeit zu haben und um ohne Wettbewerbsdruck seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Sie ist eine kreative Insel mitten im Tennengau, die jedes Jahr aufs Neue Kunstträume verwirklicht.

Marlene Weismann

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