Der Waldrapp vom Georgenberg

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Der Waldrapp vom Georgenberg

Der Georgenberg bei Kuchl hat schon viele außergewöhnliche Gäste beherbergt. Im Jahr 2013 wurde der auffallende Konglomerat-felsen für eines der wichtigsten europäischen Artenschutzprojekte ausgewählt. Damit sind nach 400 Jahren die beinahe ausgestorbenen Waldrappe nach Salzburg zurückgekehrt.
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Fotos: Christian Heugl

Kuchl. Was kann denn der Waldrapp dafür, dass er so gut schmeckt? Bereits Leonhard von Keutschach (1442-1519) musste Dutzende Verordnungen zum Schutze des delikaten Vogels erlassen. Nicht ganz uneigennützig, schließlich war auch der Salzburger Erzbischof ein Feinschmecker. Aber es half alles nichts, die fürstlichen Festtafeln mussten ab dem 17. Jahrhundert auf das zarte Fleisch des Klausraben, wie er damals hieß, endgültig verzichten. Der neugierige Vogel hat es seinen Verfolgern aber auch leicht gemacht. Die Salzburger mussten ihn nur von den Felsen der Stadtberge pflücken, denn dort waren seine bevorzugten Brutstätten. So verschwand der kauzige Vogel aus dem Stadtbild, nur im Haus der Natur beflügelte noch ein nostalgisches, dreidimensionales Diorama von den geheimnisvollen Waldrappen in der Mönchsbergwand die Phantasie vieler Schülergenerationen.

Waldrapp-1-aBis im Jahre 2013 ein einzigartiges EU-Projekt gestartet wurde. An drei Standorten in Süddeutschland und Österreich wurden mit Hilfe der letzten Waldrapp-Paare Brutkolonien gegründet. Einer dieser ausgewählten Plätze ist der Georgenberg bei Kuchl. Dieser gut ein Kilometer lange Konglomeratfelsen war bereits Zufluchtsort der Kelten, der Römer und der Christengemeinschaft rund um den Hl. Severin. Warum sollte sich von hier aus also nicht auch wieder der beinahe ausgerottete Waldrapp wie der Phönix aus der Asche in die Lüfte Richtung Süden emporschwingen?

Ganz so einfach gestaltete sich das Unternehmen Waldrapp aber auch wieder nicht, denn der Wandervogel kannte seine alten Zugbahnen natürlich nicht mehr. Ultraleichtflugzeuge mit wagemutigen Piloten dienten als erste Leitvögel und führten die jungen Waldrappe über die Alpen in das Winterquartier in der südlichen Toskana. Und siehe da, die ersten lernwilligen Waldrappe sind heuer nicht nur wiedergekommen, sie haben sich hier am Georgenberg im Tennengau mit der Brutpflege auch gleich an den eigentlichen Sinn ihrer langen Reise erinnert. Die in einer geschützten Voliere geschlüpften Waldrappküken werden seither von den Eltern fürsorglich betreut.

Auch das Museum in Kuchl widmet sich dieses Jahr mit einer Sonderschau ganz dem schrägen Vogel. Mit einer Live-Schaltung kann sogar die Entwicklung der Jungvögel mitverfolgt werden. Wenn alles klappt, dann wird gegen Ende August die Waldrappfamilie aus Kuchl wieder eigenständig in das Winterquartier in der Toskana ziehen. Ciao, ihr Krummschnäbel mit den lustigen Knopfaugen, bis zum nächsten Frühling am Georgenberg!

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