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Der ideale Begleiter für jedes Zuhause

Wenn es um Holz geht, ist man im Tennengau genau richtig – eine der Hochburgen Österreichs der Holzverarbeitung! Von der Tischlerei über die Drechslerei bis hin zum Restaurator sind fast alle Berufsgruppen vertreten. Oft weiß man gar nicht, was es in der eigenen Gemeinde alles zu entdecken gibt, aber der Tennengau beheimatet wahre Künstler, wenn es um das Verarbeiten von Holz geht.
Zwischenüberschrift

Mehr als die Hälfte des Salzburger Landes besteht aus Wäldern. Damit belegt Salzburg im Bundesländer-Vergleich den dritten Platz hinter der Steiermark und Kärnten. Statt Monokulturen überwiegen bei uns Mischwälder. Das natürliche Wachstum wird nicht beeinflusst. Der Wald kann also einfach Wald sein. Dadurch erhält Holz – einer der wohl ältesten Baustoffe – sein Revival. Der Trend im 21. Jahrhundert lautet „Zurück zur Natur“. Moderne Holzbauten ersetzen zunehmend das Betonhaus. Genau diese Entwicklung hängt sehr stark mit dem heute umso mehr bedeutenden Thema Klimaschutz zusammen. Holz erspart der Atmosphäre über Jahrzehnte hinweg CO2. Hat das Holz in einem Haus ausgedient und wird durch neues ersetzt, ist es keineswegs wertlos, sondern kann zu anderen Schmuckstücken weiterverarbeitet werden oder es kann als Energielieferant dienen. Diese Weiternutzung von Holz als Bau- und Werkstoff nennt man Kaskadennutzung und ist in Sachen Klimaschutz die ideale Lösung. Also ist es nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch von Vorteil, weil das Holz mit jedem weiteren Verarbeitungsschritt eine größere Wert-schöpfung erreicht. Dieses Umdenken findet nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der eigenen vier Wände statt. Möbel und Design aus Holz erhalten einen neuen Stellenwert und sorgen für besondere Blickfänge im Wohnzimmer.

Über die vorstellbaren Grenzen hinaus gehen

Fragt man den Zirbenholz-Tischler Johann Rieger aus Sankt Koloman, welche Baumart für die Gesundheit des Menschen am besten ist, bekommt man eine klare Antwort: die Zirbe! Denn die Zirbe auch „Königin der Alpen“ genannt, vereint viele verschiedene ätherische Öle, die uns besser schlafen lassen und zur Erholung unseres Körpers beitragen. Durch die nachweisbar verbesserte Qualität des Schlafes, besonders in der ersten Phase, reduziert das Zirbenholz die Herzfrequenz um bis zu 3.500 Schläge pro Tag. Das ist genauso viel wie das Herz in einer Stunde für den Körper arbeitet. Doch die Zirbe kann nicht nur das, nein sie verhindert auch die Entwicklung der Kleidermotte und hat eine starke antibakterielle Wirkung. Dies sind mitunter Gründe, sich das Schlafzimmer ganz aus Zirbenholz anfertigen zu lassen, so wie die Bauern sich früher die Stub´n ganz aus Zirbenholz selbst getischlert haben. Da verliert das Holz auch nach 15 Jahren nicht seinen Geruch. Wenn das aber zu teuer ist, kann man auch auf einem Polster, gefüllt mit Zirbenholzspänen schlafen. Der Geruch des Polsters wird mit der Zeit schwächer, aber die Wirkung bleibt erhal-ten und verbessert weiterhin das Befinden und die Lebensqualität.

Doch nicht nur die Verarbeitung von Zirbenholz spricht für den Tennengau. Auch der „Wood Art“-Künstler Franz Rettenbacher macht durch seine kreative Ader den Tennengau zu einem ganz besonderen Fleckerl auf der Erde. „Bei mir gibt es jedes Stück nur einmal, denn Holz ist sehr eigen, allein was die Maserung betrifft.“ Er lässt Holz einfach Holz sein, mit all seinen Besonderheiten und Eigentümlichkeiten und genau dadurch entstehen wahre Kunstwerke an Möbeln. Um seine Möbel der besonderen Art zu fertigen, verarbeitet Franz Rettenbacher bevorzugt Holz aus Österreich. Aber nicht nur heimisches Holz eignet sich ideal für die Verarbeitung, sondern auch Holz aus Deutschland, Ungarn und aus dem Balkan sind bei ihm gern gesehen. „Ob ich Holz aus Kärnten oder Kroatien bekomme ist egal, denn die Grenzen existieren in diesem Bereich nur auf der Landkarte.“

Franz Rettenbacher begeistert nicht nur als Künstler im Bereich der Tischlerei, sondern auch als gelernter Restaurator hat er sich bereits einen Namen gemacht. Unter anderem kombiniert er einen alten Holzkasten mit Glas und lässt dadurch ein komplett neues Möbelstück entstehen. Hat man sich aber in einen alten Bauernschrank verliebt, so ist es für ihn eine Leichtigkeit, diesen nachzubauen. Man merkt, im Bereich der Holzverarbeitung ist so gut wie nichts unmöglich! Durch den regionalen Charme und seine Zuwendung zu Holz sind große Möbelhäuser keine Konkurrenz. Denn legt man besonderen Wert auf einzigartige, noch von Hand gefertigte Möbel, ist man bei ihm und vor allem im Tennengau bestens aufgehoben.

Einfach mal abschalten

Wenn man auf der Suche nach einem Hobby der besonderen Art ist, dann ist man in den Drechslerkursen von Alfred Baumann aus Kuchl herzlich willkommen. Hier hat man die individuelle Möglichkeit, ein Holzstück in kürzester Zeit zu formen. Kaum zu glauben, aber seit 1982, als er begann Drechsler-Kurse zu geben, haben schon fast 5.000 Menschen bei seinen Kursen mitgemacht. Seine Kursteilnehmer kommen von überall auf der Welt, wie zum Beispiel aus Australien und Südafrika. Da braucht man nicht denken, dass es nur Leute sind, die mit Holz arbeiten, nein das geht vom obersten Richter, über den Journalisten bis hin zur Ordensschwester. So gut wie jede Berufssparte ist vertreten! Einer der Hauptgründe wieso die unterschiedlichsten Charaktere in seinen Kursen aufeinander treffen, ist der, dass man so herrlich abschalten kann, denn die ganze Konzentration liegt darin, aus einem Stück Holz etwas Kreatives und Kunstvolles zu erschaffen. Leider arbeitet unser Zeitalter gegen die Drechslerei, denn durch den Einsatz von Maschinen wird das ursprüngliche Drechseln weitgehend verdrängt. Durch das fehlende Ausbildungsangebot hat der Beruf des Drechslers bzw. der Drechslerin keine Möglichkeit, weiter fortzubestehen. Waren es früher noch circa 30 Drechsler-Werkstätten, so gibt es heute im ganzen Bundesland nur noch vier gewerbliche Drechsler. Früher gab es auch noch die Kunstdrechslerei als eigenes Gewerbe. Heute sind es die Hobby-Drechsler die wahre Künstler sind und die der Drechslerei eine besondere Note verleihen.

Wenn man es dann noch ausgefallener haben will, ist man bei Michael Meisl perfekt aufgehoben. Er perfektioniert in seiner Freizeit die Kunst mit der Motorsäge, stammt – wie sollte es anders sein – aus der Holzgemeinde Kuchl und verbringt teilweise fast 200 Stunden damit, eine Skulptur zu erschaffen und ihr Leben einzuhauchen.

Der Tennengau ist eine Holzregion in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen: Ist es nun das Drechseln, die Heilkunde der Zirbe, das Kreieren von einzigartigen Möbelstücken oder der kunstvolle Umgang mit der Motorsäge. Eines ist außerdem gewiss: Holz erlebt seit einigen Jahren ein „Revival“. Sei es beim Bauen oder beim Wohnen – aus dem Trend wird der Natur-Werkstoff wohl nie kommen.

Marlene Weismann

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