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Das Handwerk lebt

Die rasche Verfügbarkeit von Produkten jeglicher Art entfremdet den Konsumenten mehr und mehr von der eigentlichen Herkunft. Dabei darf man sich auf den Ursprung aller Dinge zurückbesinnen: das Handwerk!
Ein Artikel von Christine Gnahn

Wer heute ein Produkt benötigt, sei es ein wärmender Pullover, sei es eine Tasche für die persönlichen Hab-seligkeiten, der weiß meist, wo er die gesuchten Artikel finden kann. Für nahezu alle Gegenstände gibt es heute international kooperierende Unternehmen, die eine hohe Verfügbarkeit der Waren zu niedrigen Preisen gewährleisten können. Die Frage, die sich dabei stellt, lautet: Woher stammt das Produkt eigentlich?
„Die Industrie schafft anonymisierte Produkte“, beschreibt Christoph Rath, „die Handwerkstradition steht im absoluten Kontrast dazu. Wenn ich zum Tischler gehe, kann mir dieser Möbel nach meinen Vorstellungen herstellen.“ In eine oberösterreichische Handwerksfamilie hineingeboren, beschäftigt sich der heutige Wiener seit vielen Jahren mit der österreichischen Handwerkskultur und publiziert seit 2000 gemeinsam mit seiner Frau die Sammelbände „MEISTERSTRASSE“, in der Handwerksbetriebe und Manufakturen aus ganz Österreich vorgestellt werden.

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„Regionales Handwerk ist die nachhaltige Wirtschaft per se.“

Christoph Rath, Herausgeber der „MEISTERSTRASSE“

Nicht nur zwecks individueller Gestaltung liegen heimische Handwerksbetriebe klar im Vorteil, sondern auch hinsichtlich der Lebensdauer der Produkte. „Wer den höheren Preis für ein maßgeschneidertes Objekt zahlt, erhält im Gegenzug Qualität und hat, sobald Reparaturarbeiten anstehen, sofort einen Ansprechpartner.“ Für die Wirtschaft selbst liegen die Vorteile auf der Hand: Nicht nur werden Arbeitsplätze in der Region geschaffen, es entfällt auch ein langer Importweg. Rath prognostiziert den österreichischen Handwerkszünften eine positive Zukunft, da sich ein klarer Trend im 21. Jahrhundert abzeichnet: Das, was mit Liebe und Expertise von Hand in der eigenen Heimat gefertigt wurde, wird wieder wertgeschätzt. „Junge Menschen erlernen den Handwerksberuf und sehen, dass dieser nicht nur Freude bereitet, sondern dass man auch Geld damit verdienen kann.“ Davon jedoch, die Industrie zu verteufeln, distanziert sich Rath: „Es ist klar, dass sich nicht jeder sämtliche Produkte in maßgeschneiderter Form aus der regionalen Manufaktur leisten kann. Die Mischung macht’s.“

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