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Das Glück der Tüchtigen – Matthias Walkner

Die Sonne brennt vom Himmel, der Wind peitscht gegen das Gesicht, kilometerweit ist niemand außer einem selbst und was zurück bleibt ist nur eine, von den Reifen aufgewirbelte, riesige Sandwolke. Matthias Walkners lange Reise voller ”ups and downs” – vom Skifahrer bis hin zum Rallye-Weltmeister.
Ein Artikel von Marlene Weismann
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Fotos: Eduardo Bauer

Wie alles begann…

Doch Matthias war nicht von Anfang an dem Rennsport verfallen, auch er hat als waschechter Salzburger das Skifahren gelernt und gemeinsam mit seiner Schwester Eva Walkner Skirennen bestritten. Noch vor seinem 14. Geburtstag hat Matthias beschlossen, die Skikarriere an den Nagel zu hängen und seine ganze Aufmerksamkeit und Leidenschaft dem Motorsport zu widmen. Still und heimlich und vor allem ohne das Wissen seiner Mutter hatte er von seinem Vater seine erste Motocross-Maschine bekommen, eine Kawasaki KX 80. Schon nach kurzer Zeit wurde klar, Matthias hat eine Begabung und die wurde ohne zu zögern unter Beweis gestellt. Bereits nach wenigen Wochen fuhr er sein erstes Rennen – den “Kärntner Cup” und belegte den zweiten Platz. Nach diesem glanzvollen Auftakt war klar auf welche Reise Matthias sich begeben wird.

Eine weitere große Hilfe auf seinem Weg zum Erfolg bot ihm der weitläufig mit Matthias Walkner verwandte österreichische Motocross-Champion Rupert Walkner, der selbst die Testleitung bei KTM inne hatte. Er bot dem Nachwuchsrennfahrer die Chance, sich selbst unter Beweis zu stellen, um zu zeigen, was er alles kann. Seit zwölf Jahren ist er jetzt Testfahrer für KTM. Sein Job ist es, als erstes alle neuen Errungenschaften und “Gadgets” auszuprobieren und einem Härtetest zu unterziehen, was ihm auch sehr viel Spaß macht.

Aber es kommt nicht nur auf das entsprechende Equipment im Motorsport an, auch das Training ist ein wichtiger Bestandteil des täglichen Workouts, um sich fit zu halten. Neben 5-6 mal Training die Woche ist Matthias bei jeder Jahreszeit auf dem Berg anzutreffen, egal ob bei einer Radfahrt auf dem Gaisberg im Sommer, oder bei einer Skitour durch ein verschneites “Winterwunderland” bei eisigen Temperaturen, ein ausgewogenes Sportprogramm ist wichtig, um die Ausdauer zu trainieren. Denn Matthias ist kein großer Fan vom Gewichte stemmen im Fitnessstudio, er liebt es, draußen in der Natur zu sein, auch um einmal abschalten zu können.  Das hält seinen Körper fit und lässt seine Muskeln arbeiten, auch Rallye-Fahrer achten auf ihr Idealgewicht. „Der ideale Körper sieht aus wie bei einem leichteren Schwimmer oder Turner. Man sollte um die 80 Kilo haben, das ist dann perfekt.”

Kraft tanken

Abseits des harten Trainings und der Rennen lässt Matthias gerne die Seele baumeln und genießt seine Freizeit mit seiner Familie, seinen Freunden und seiner Freundin. „Am liebsten sind mir gemeinsame Barbecue-Abende in gemütlicher Runde: zusammensitzen, plaudern und Red Bull trinken”.

Neben all dem Trubel um seine Person und den Rallye-Sport kann er auf eines immer vertrauen – seine Freunde, denn wie er sagt, „meine Freunde sind mir noch nie zu viel geworden.”

Bei so einem straffen Zeitplan kommt schnell die Frage auf, ob es ihm manchmal zu viel wird und er seine Entscheidung, so eine Karriere gewählt zu haben, bereut. Nein, Matthias steht voll und ganz hinter seiner Entscheidung, denn er kann von dem leben was ihm am meisten Spaß macht und die Welt bereisen. Natur und Kultur begeistern – auf seiner Reise nach Chile war er total überwältigt von einem 30 Kilometer breiten Meer an Blumen, der endlosen Ferne und der ergreifenden, Ruhe. Auch die Menschen haben bleibenden Eindruck hinterlassen, sie strahlen pure Lebensenergie aus, sie nehmen dich mit offenen Armen auf und sind interessiert an anderen Kulturen. Sie wissen das Leben zu schätzen.

Matthias-Walkner_3Höhen und Tiefen

Dass der Weg zum Erfolg kein einfacher Spaziergang ist, sondern hart erarbeitet werden muss, zeigt uns Matthias. „Tägliches Training, ausgewogene Ernährung, ein eiserner Wille und Freunde, die für mich da sind und mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn ich selbst nicht mehr weiter weiß sind die Grundlage zum Erfolg.” Denn auf jeden Höhenflug folgt auch wieder einmal eine Talfahrt, so auch letztes Jahr bei seiner zweiten Rallye in Dakar. Tag für Tag rückte Matthias weiter und weiter nach vorne an die Spitze und zeigte, welches Durchhaltevermögen und welch Willenskraft ihn ihm stecken. Nach einem fulminanten Start belegte er Rang zwei, das ließ schon an den Gesamtsieg denken.

Doch so schön wie alles begann, so schnell war der große Traum vom Sieg in Dakar wieder vorbei. Schnelligkeit kann einen fliegen lassen, aber auch den Boden unter den Füßen wegreißen, so war es im wahrsten Sinne des Wortes auch bei Matthias. Bereits nach 15 Kilometern war das Rennen für ihn vorbei. Er hatte durch Blendung ein Loch im Boden übersehen, die Folge war ein Überschlag nach vorn über den Lenker – Oberschenkelbruch! „Hoffentlich kann ich mich noch bewegen”, war Matthias’ erster Gedanke, der ihm nach seinem schweren Sturz durch den Kopf schoss, als ihm der damals Führende in der Gesamtwertung, Honda-Fahrer Paulo Goncalvas Erste Hilfe leistete und die Rennleitung mittels Leuchtrakete verständigte.

Denn mitten im nirgendwo umgeben von Sand, Steinen und Felsen bist du so gut wie immer auf dich allein gestellt und musst hart im Nehmen sein. So auch Matthias, der zwölf Stunden warten musste, bis er endlich in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Denn er konnte sich in diesem Moment nicht selber helfen, sondern konnte nur abwarten, bis professionelle Hilfe kam. Lange Stunden voller Schmerzen und Qual – eine Erfahrung, die er so nie wieder in seinem Leben machen und vor allem nie mehr fühlen möchte!

Die Zeit heilt die meisten Wunden

Um wieder an der Spitze mit der Elite mitfahren zu können, ist es ein langer und beschwerlicher Weg. Jede Woche wird 30-35 Stunden im Reha-Zentrum in Thalgau hart am Comeback gearbeitet und geschwitzt. Matthias hat sich damit abgefunden und beißt sich durch. „Es ist sehr ungewohnt, wenn man nicht das machen kann, was man gerade will.“  Seit Kurzem kann er wieder mit dem Rad fahren, was für ihn bedeutet: an nichts denken, die Seele baumeln lassen und den Kopf für kurze Zeit frei bekommen – frei vom Alltag und allen Sorgen. Wie lange es noch dauern wird bis das normale Training wieder losgehen kann, weiß niemand so genau. Es kann nur noch drei Wochen dauern, aber auch noch zwei Monate bis sein Bein wieder voll einsatzfähig ist. Niemand kann es mit Sicherheit sagen, die Zeit wird den Weg weisen. 

Aber nichts lässt einen Genesungsprozess so sehr beschleunigen wie die eigenen Pläne für die nahe Zukunft, die Saison 2016. Matthias hat sich wieder einiges vorgenommen! Für die anstehende Saison stehen bereits ein paar Termine fest und zwar die Hellas Rally Raid 2016 in Griechenland, die Sardinien Rally und das Erzberg Rodeo. Bevor aber noch weitere Pläne geschmiedet werden, heißt es erst einmal wieder vollkommen gesund werden und zu Kräften kommen.

Matthias-Walkner_5Zukunftspläne

Doch auch so wie das Leben nicht vorhersehbar ist, so kann man auch den eigenen Erfolg nicht planen. Um wirklich erfolgreich zu sein ist viel Anstrengung und Durchhaltevermögen wichtig, auch abseits der Rennen muss man sich gut vorbereiten. Denn wenn man dafür kämpft was man liebt, wird der Tüchtige auch belohnt. Dass Matthias so schnell nicht den Sport, oder besser gesagt seine Passion wechseln will, ist glasklar! Auch er möchte sich über die nächsten Jahre hinweg seinen Weg auf der Landkarte suchen, über Dünen fahren, den Staub hinter sich aufwirbeln lassen und die unendlichen Weiten genießen. Einen wirklichen Plan B gibt es für ihn nicht, denn so lange er gesund ist, wird er auch weiterhin im Sattel sitzen und seine tagelangen Rennen bestreiten. Sollte er aber eines Tages nicht mehr fahren, will er in Zukunft sein Know-how an die jüngere Generation weitergeben und für KTM Tests organisieren.

Wie auch in einem anderen Sport kannst du beim Rallyefahren nie deinen Erfolg vorausplanen oder Verletzungen voraussehen. Man muss immer viel trainieren, sich gesund ernähren, positive Energie abseits des Rummels tanken – dann hat man eine Chance, das gesamte Potential aus einem selbst herauszuholen und sein Bestes zu geben. „Marcel Hirscher wurde auch nicht umsonst fünfmal Weltcupsieger. Man muss für seinen Erfolg auch etwas tun, abseits vom Rennen viel trainieren und hart an sich arbeiten, dann wird das Glück des Tüchtigen auch belohnt.”

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