7 Fragen an … Thomas Stangassinger

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7 Fragen an … Thomas Stangassinger

 Ein Artikel von Hans Adrowitzer

Thomas Stangassinger, geboren am 15. September 1965 in Hallein, ist als Olympiasieger, Gewinner von zehn Weltcuprennen und des Slalomweltcups zur Skilegende geworden. Journalisten haben den „Stani“ stets als „personifizierte Elegance auf dem Ski“ beschrieben. Mit Ehefrau Marlies lebt der Vater von zwei Töchtern auf dem Dürrnberg. Und er verrät, warum er gerne Architekt geworden wäre.

1) War es ein Bubentraum von dir, Skirennläufer zu werden?
Als Kind habe ich immer gerne Häuser und Gebäude gezeichnet und ich hätte mir gut vorstellen können, auch einmal beruflich in diese Richtung etwas zu machen. Architektur und Planungen interessieren mich auch heute noch – und alles, was irgendwie mit Technik zusammenhängt. Das hätte wahrscheinlich auch ganz gut gepasst. Schon in der Schule war mir der Umgang mit Zahlen lieber als der mit Worten oder Sprachen. Aber es kam doch alles ganz anders.
In meiner Kindheit gab es im Sommer Fußball und im Winter eben Skifahren. Mit fünf Jahren bestritt ich mein erstes Skirennen. Ich habe meine Altersklasse gewonnen, die Freude war natürlich sehr groß, Siegerehrung, erster Pokal. Schon in der Volksschulzeit waren meine Eltern mit mir bei diversen Skirennen im gesamten Salzburger Land unterwegs. Und das ging auch einige Jahre so. Die Erfolge waren auch immer da und so kam ich in den Salzburger Schülerkader, dann in den ÖSV-Jugendkader. Weiter ging es dann über den Europacup in den Weltcup. Und nun war aus etwas, was man gerne macht, ein Beruf geworden. Was gibt es Schöneres? Planen kann man so etwas sowieso nicht und man braucht auch das nötige Glück dazu. Den Berufswunsch Skirennläufer hatte ich nie so wirklich, es ist halt so passiert.

2) Du bist 1994 in Lillehammer Slalom-Olympiasieger geworden. Was war der emotionalste Moment an diesem Tag?
Der Olympiasieg 1994 war sicherlich ein Höhepunkt in meiner sportlichen Karriere. Einige Wochen zuvor hatte ich den Slalom in Kitzbühel gewonnen, und so ging ich als einer der Favoriten an den Start. Im ersten Durchgang fuhr ich Bestzeit, weshalb ich im zweiten Durchgang als Letzter startete. Die Anspannung war natürlich sehr groß, aber zum Glück hielten die Nerven. Da das Rennen am letzten Tag stattfand, waren viele schon im Heimreisestress uns so ist die Siegesfeier eher bescheiden ausgefallen. Die Siegerehrung mit der Bundeshymne war natürlich ein sehr schöner und auch emotionaler Moment.

3) Wie hat der Olympiatriumph dein Leben geprägt?
Nach dem Olympiasieg war ich noch sechs Jahre aktiv im Rennsport dabei und konnte noch einige schöne Erfolge erreichen. Als Olympiasieger ändert sich schon einiges, aber hauptsächlich das Umfeld. Die Öffentlichkeit und auch die Medien sind an allem, was man tut, sehr interessiert und man muss schon aufpassen, dass es nicht zu weit geht. Natürlich hat es auch gewisse Vorteile, viele Dinge gehen einfach leichter und gewisse Türen öffnen sich. Aber am Ende muss man doch immer wieder seine Leistung bringen, sonst ist der Bonus, den so ein Titel mit sich bringt, auch wieder schnell verspielt.

4) Wie verläuft dein Leben nach der Skikarriere? Und was bedeutet Glück für dich?
Im Jahr 2000 habe ich meine aktive Karriere beendet, bin aber immer noch sehr am Skirennsport interessiert. Ich beschäftige mich im Anlagebereich und bin auch für den Salzburger Skipool tätig. Dieser Verein unterstützt den Salzburger Nachwuchsskirennsport. Ich versuche eher nach dem Motto „Das Glück des Tüchtigen“ zu leben, denn man kann schon selber auch einiges dazu beitragen. Aber natürlich braucht es oft Glück, dass alles gut ausgeht und nichts passiert.

5) Verrätst du uns deine aktuellen sportlichen Aktivitäten?
Ich bin gerne in der Natur, die Berge sehen mich im Sommer und auch im Winter. Beim Wandern, mit dem Rad oder mit Tourenski und manchmal geht es auch zum „Pisteln“.

6) Soll sich Salzburg noch einmal um Olympische Winterspiele bewerben?
Ich glaube, eine erneute Bewerbung von Salzburg würde in der aktuellen Situation wenig erfolgversprechend sein. Im Moment geht es ja immer nur um größer und teurer. Vielleicht kommen aber wieder einmal Zeiten, wo mehr die Qualität im Vordergrund steht. Und da würde Salzburg ganz gute Chancen haben.

7) Wir leben in einer aus den Fugen geratenen Welt. Macht dir die Situation in unserem Land Sorge, oder gar Angst?
Natürlich mache ich mir meine Gedanken, was so alles auf der Welt, aber auch in meiner näheren Umgebung, passiert. Oft kann man nur den Kopf schütteln, aber als einzelne Person halt auch nicht viel machen. Die Politik sollte faire und gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen schaffen und für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen. Das Leben ist eine ständige Herausforderung, die es zu meistern gilt. Aber Angst habe ich davor keine. Wir haben das Privileg, in einem sehr lebenswerten Land leben zu dürfen, das sollte man auch nie vergessen.

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