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7 Fragen an Josef Zenzmaier

Wer mit offenen Augen durch die Tennengauer Kulturlandschaft wandert, ist Josef Zenzmaier vermutlich schon oft begegnet. Seine Werke sind an vielen Orten präsent, manchmal unübersehbar auf zentralen Plätzen, dann ganz unscheinbar im weiten Kirchenraum. Bei einem Besuch in seinem zauberhaften Wohnatelier in Kuchl Strubau erzählt der 85-jährige Künstler von sich und seinen Werken.

Woher kam die Begeisterung für die Bildhauerei?
Ich bin als Einzelkind hier in Kuchl in diesem Haus aufgewachsen, in unserer Umgebung lebte damals der Bildhauer Rudolf Reinhart, der mich bei seiner künstlerischen Tätigkeit nicht nur zuschauen ließ, sondern dem ich auch Fragen stellen durfte. Er riet mir zur Bildhauerei. Eine Vorstellung mit der sich auch mein Vater anfreunden konnte, da es ein Handwerk war. (Anmerkung: R. Reinhart, 1897 – 1975, von ihm stammt u.a. der Löwe mit dem Landeswappen am Festspielhaus).

Sind Sie von Anfang an auf Ihrem künstlerischen Werdegang unterstützt worden?
Meine Eltern kamen aus einfachen Verhältnissen, aber mein Wunsch nach einer künstlerischen Laufbahn wurde akzeptiert. Spätere Unterstützer auf der Sommerakademie waren Kokoschka und Manzù.

Ist Salzburg und speziell der Tennengau ein guter Boden für bildende Künstler?
Die Vorgaben sind an sich nicht schlechter oder besser als anderswo. Die „Hall-Städte“ haben aber den Vorteil, dass an diesen Orten mit Salzabbau beinahe immer „Schnitzer-Schulen“ gegründet wurden. So auch in Hallein, wo mit Jakob Adlhart und Bernhard Prähauser ein richtiges Künstlernest entstanden ist.

Welche Rolle spielt der Raum für Ihre Werke?
Ich suche den Raum, den belebe ich. Dekor gibt es ja, aber man muss den Raum, die Schönheit des Raumes bewusst erfahren. Die Kirche ist mir als Auftraggeber sehr entgegen gekommen, da finde ich ideale Gegebenheiten.

Sie sprechen von zauberhaften Momenten, von Blitzaufnahmen, die dann in einem langen Arbeitsprozess in oft tonnenschweren Bronzeplastiken verewigt werden. Wie gelingt dieser Widerspruch?
Ich bin sehr viel und gerne mit dem Rad unterwegs gewesen. Man nimmt die Landschaft besser wahr, kann sich auf sie einlassen. In der Umgebung von Rom habe ich eines Abends ein junges Mädchen an einem Brunnen gesehen – dieser Moment hat sich bei mir eingebrannt. Bis zur Fertigstellung der Skulptur sind viele Jahre vergangen, dann hatte es die richtige Leichtigkeit. Nun habe ich Zeit dafür, ich kann frei arbeiten, was ich möchte. (Anmerkung: Das Bronzemädchen steht heute vor dem Keltenmuseum in Hallein).

Stein oder Bronze?
Der Bronzeguss ist das Gegenteil zur Steinbearbeitung. Bei der Bronzeskulptur ist der Körper ja eigentlich der innere, hohle Raum, man gibt ihm die Hülle. Der Aufbau mit Wachs geht von innen nach außen. Bei der Arbeit mit dem Steinblock ist es umgekehrt.

Wann ist ein Werk fertig? Wie lange braucht ein Paracelsus bis er „lebt“?
Fertig ist es dann, wenn ich nichts mehr verbessern kann, zumindest nicht in dieser Zeit – nach einem Jahr wüsste ich vielleicht wieder eine Verbesserung, würde ich wieder weiterarbeiten. Man arbeitet ja um sich zu verbessern, das ist eine Lebensaufgabe. Bildhauerei ist eine Arbeit in Stille – das Leben kommt durch den Betrachter!

Foto: Christian Heugl

Foto: Christian Heugl

Information zur Person:
Prof. Josef Zenzmaier, geb. am 5. März 1933 in Kuchl. Fachschule für Holz-, Stein- und Metallbearbeitung in Hallein. Schüler von Kokoschka und Manzù ( Sommerakademie 1953/1954 in Salzburg). Später leitet er dort selbst Kurse. Bei Manzú lernte er den Umgang mit dem Bronzeguss. 1985 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Lebt und arbeitet im Geburtshaus in Kuchl, wo sich auch die Bronzegießerei befindet. War verheiratet mit Anneliese Zenzmaier (gest. 1991), vier Kinder.
Josef Zenzmaier gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauern des Landes, seine Skulpturen sind in ganz Österreich vertreten. Wichtige Werke in Salzburg sind die Bronzetüren am Haus für Mozart, der Paracelsus vor der Medizinischen Privatuniversität oder der hl. Virgil im Bildungshaus St. Virgil.

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