Fotos: Sylvia Schober

7 Fragen an… Ferdinand Hirscher

Ein Artikel von Sylvia Schober
Fotos: Sylvia Schober

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„Der Hype im Spitzensport ist eine Scheinwelt. Es ist besser, diese Tatsache früh genug zu realisieren und sich auch an den kleinen Dingen des Alltags zu erfreuen.“
Ferdinand Hirscher, Betreuer seines Sohnes, Skistar Marcel Hirscher, Trainer von Matthias Walkner, erfolgreicher Motocross-Fahrer und Zweitplatzierter bei der Rallye Dakar.

Können Sie bei Marcel unterscheiden zwischen dem Rennläufer und dem Sohn?
Skifahren ist daheim zwar nicht ständig Tagesthema, aber wenn man außergewöhnliche Sachen erreichen will, muss man eben permanent dranbleiben. Marcel und mich verbindet eine enge, familiäre Bande, das Vater-Sohn-Verhältnis lässt sich natürlich nicht so einfach ausblenden und ich reagiere manchmal eher zurückhaltender. Da tu ich mir vielleicht bei Matthias Walkner leichter. Allerdings bin ich nicht immer so ruhig, wie es ab und zu den Anschein hat. Wenn es nicht in die richtige Richtung geht, kann ich schon Druck machen – in jeder Hinsicht! 

Wie viel an Marcels Erfolg schreiben Sie sich selbst zu?
So etwas ist schwer zu messen. Grundvoraussetzung ist sowieso die körperliche Fähigkeit und Nervenstärke eines Sportlers, sonst wirkt keine Unterstützung. Das kann man dann in richtige Bahnen lenken.

Wie viel Dankbarkeit erwarten Sie von Ihren Kindern?
Es ist doch die Pflicht der Eltern, die Talente der Kinder zu fördern. Ich bin früher selber Rennen gefahren, habe Marcel aber nie in diesen Sport gedrängt. Ich bin keine dieser viel zitierten „Eiskunstlauf-Mamas“, bei denen die Kinder die Träume der Eltern ausleben müssen. Dass uns dieselbe Sportart taugt, ist schön, aber nicht zwingend gewollt. 

Ferdinand4Auf der Stuhlalm, die Sie und Ihre Frau bewirtschaftet haben, gab es doch sicher viel Freiheit für die Kinder? Wie haben Sie und Ihre Frau Sylvia Ihre Söhne erzogen?
Das ist schwer einzuschätzen, Kinder sehen es ja immer anders als die Eltern (lacht). Gewisse Richtlinien für den Umgang haben wir ihnen sicher mitgegeben. Aber wir haben uns in der Erziehung nicht wesentlich von anderen Eltern unterschieden. Wir leben unser Leben so, wie wir es für richtig halten und sich die Kinder daran orientieren können.
Sicher bringt die Alm gewisse Freiheiten zur Bewegung in der Natur für Kinder mit sich. Andererseits haben meine Frau und ich dort viel Arbeit gehabt und daher weniger Zeit für Marcel und Leon. Wenn sie mal schwimmen gehen wollten oder ihre Freunde im Tal besuchen, fuhren sie auf ihren Rädern hinunter ins Tal. Aber das passierte nicht so oft, sie mussten ja danach wieder heraufradeln!

Vermissen Sie Ihr Leben als Hüttenwirt, sehen Sie sich in der Zukunft wieder einmal als solcher?
Ich war 19 Jahre lang Almwirt. Es war ein wahnsinnig schöner Arbeitsplatz und als wir den Schlüssel das letzte Mal in der Hüttentür drehten, schwang schon einiges an Wehmut mit. Allerdings war es eine sehr intensive, arbeitsreiche Zeit. Heute ist es mir unbegreiflich, dass wir das so lange gemacht haben.

Ihr Bekanntheitsgrad ist mit Marcel ebenfalls sehr gestiegen. Wie gehen Sie damit um?
Dass mich viele Leute kennen, bin ich von der Alm gewohnt. Ich ändere mich deshalb nicht, bin genauso hilfsbereit wie immer. Ich hab mich früher nicht kampelt, das werde ich weiterhin nicht tun. Was mich wirklich stört ist, wenn ich beim Unterrichten auf der Piste mit Handys verfolgt werde.

Soll die Weltmeisterschaft 2023 nach Saalbach-Hinterglemm kommen?
Dem stehe ich sehr positiv gegenüber. Die Alpenländer haben die klimatischen Voraussetzungen und verstehen es, gute und faire Wettkämpfe zu organisieren. Die WM in Schladming beispielsweise war eine großartige Veranstaltung. Saalbach hat darin ebenfalls Erfahrung und die Infrastruktur dafür.

Ferdinand3Ferdinand Hirscher, geb. am 11. August 1955 in Annaberg. In den Sommermonaten bewirtschaftete Ferdinand gemeinsam mit seiner Frau Sylvia 19 Jahre lang die Stuhlalm am Fuße der Bischofsmütze in seiner Heimatgemeinde Annaberg. Dort wuchsen ihre Söhne Marcel und Leon in den Sommermonaten auf. Ferdinand Hirscher ist Leiter der Skischule in Annaberg-Lungötz, wo sein Sohn Marcel bereits als Zweijähriger auf der Piste seine ersten Schwünge probierte. Vater Ferdinand trainierte seinen Sohn schon früh für den Skisport und bleibt weiterhin ein wichtiger Betreuer und Vertrauter an der Seite des Skistars. Neben einem Anteil am Triumph seines Sohnes Marcel, ist er ebenso an den beachtlichen Erfolgen des Kuchler Motocross-Fahrers Matthias Walkner, den er ebenfalls trainiert, beteiligt.

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